Die freundliche Zone
Wieder einmal wird versucht, die „Be Berlin“-Kampagne beim Volk populärer zu machen. Und wieder einmal darf unter anderem die neue Berliner Multifunktionshalle der neue Hauptbahnhof dafür herhalten – als Werbefläche. Noch einmal wurde das Konzept geändert, damit sich nun auch der letzte Berliner in dem tollen Hauptstadt-Slogan wiedererkennt. Dieses Mal scheint die Kampagne insbesondere unseren Tagesspiegel lesenden, Taxi fahrenden Freunden gewidmet zu sein:
„Herz und Schnauze“
Ich habe die neuen, unästhetischen und passend zum Text warnsignalroten Floorgraphics im Bahnhof mal in letzter Sekunde abgelichtet (leider unscharf geworden – musste schnell gehen ;-))
„Achtung – Sie befinden sich im freundlichen Sektor!“, weist das Plakat den Bahnhofsbesucher hin
Als hätten wir das nicht schon immer gewusst. Am Berliner Hauptbahnhof begegnet man wohl mit Abstand den freundlichsten Menschen in ganz Berlin. Die sind oft so außer sich vor Freude, dass sie andere einfach umrennen, während sie fröhlich vor sich hin grummeln und fluchen, vergnügt mit den Füßen die Nothalteknöpfe der Rolltreppen drücken (weil es so einen Spaß macht, sich drüber aufzuregen, wenn die Rolltreppe ganz unerwartet stehen bleibt!), Türen eintreten (weil die einem so freundlich entgegenkommen) und Scheiben einschlagen (die ganzen Endorphine müssen ja irgendwo hin, nicht wahr?).
Am freundlichsten sind dort aber immer noch die Herrschaften in Bundespolizisten-Uniform. Denen sieht man ihre ständig gute Laune schon am Gesichtsausdruck an.
Ich finde diese neue alte Kampagne klasse. Und so passend. Herz und Schnauze, beides ist in Berlin doch irgendwie dasselbe. Mit Ellenbogen, versteht sich.
Aber der passte nicht ins neue, kreative Logo.
Zu all der geballten Berliner Freundlichkeit im Hauptbahnhof gesellen sich nun auch noch die Österreicher, und werben mit einer kleinen Bildergalerie für ihr Land:

Hier noch im Aufbau

Fast zu viel des Guten – aber der Bahnhof ist ja groß :-)
Übrigens: Falls den kreativen Köpfen von „Be Berlin“ irgendwann mal die Ideen ausgehen sollten – wir haben für unsere Kampagne bisher noch kein Patent angemeldet! ;-)
RSS - Posts



Und natürlich gibts auch sofort eine tolle „Leser-Debatte“ im Tagesspiegel (wo auch sonst) dazu:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Kampagne;art270,2747992
Die Österreichische Bildergalerie ist nun geheimnisvoll verhüllt, was kurios ist, da man gestern bereits in Ruhe dem Aufbau beiwohnen und alle Kunstwerke schon im Voraus betrachten konnte :-)
Zusätzlich zur Galerie hat man am Nordausgang seltsam anmutende Sitz- und Liegegelegenheiten oder dergleichen aufgestellt.
‘Ne andere Ausstellung im HBF wird diese Woche ebenfalls eröffnet.
In Berlins Ausstellungs- und Kunsthallen herrscht wohl eindeutig Platzmangel.
Bei aller Liebe, aber manchmal glaube ich, die Bahn vergisst bei ihrer uferlosen Liebäugelei mit all den Künstlern und Werbeinteressenten, dass das hier noch immer ein BAHNHOF ist, den die Kunden möglichst störungsfrei nutzen möchten…
Eher wird noch einer draufgesetzt und uns wird diese neue tolle Freundlichkeitskampagne, im wahrsten Sinne des Wortes, vor die Füße geklatscht, während über unseren Köpfen überdimensionale „Ritter Sport“ – Stücken baumeln, und sich auf den schönen neuen Werbetafeln neben den Aufzügen, und nicht nur da, ständig jemand bei der BILD-Zeitung, u.a. „für die Titt’n“, bedankt.
Die Bahn kleistert den Fußboden sogar selbst noch mit Eigenwerbung zu, und möchte uns „ab ins Bett“ schicken.
Der Hauptbahnhof, zweckentfremdet, als Stellfläche, temporäre Kunsthalle, Werbemedium; ein einziger Hindernisparcours, um den sich Otto Normalreisender umständlich herum schlängeln muss.
Die einzige Kunst, die irgendwas mit Bahnhof zu tun hatte, die Bahnhofsblumen auf den AdWalks, sind hingegen spurlos verschwunden …
Und die Griechen mit ihren Fetakäse-Kostproben besetzen auch mal wieder die Mittelhalle.
:-/
Der Kommentar bezüglich der Freundlichkeitskampagne ist herrlich – SPITZE !!!
Naja, zur Werbeflut äußere ich mich lieber nicht (würg) … Schade um die Blumen.
@ central station / berlin hbf
in der aktuellen punkt3 war, bezüglich der hepburn-ausstellung, auch ein sehr gut passender eingangstext zu finden:
„In Berlin ist der Bahnhof schon längst nicht mehr nur ein Ort, an dem Züge abfahren und ankommen. Der Hauptbahnhof ist – neben seiner Funktion als modernes Empfangs- und Abfahrtsgebäude für Reisende – vielmehr zu einem modernen Einkaufszentrum geworden, das tolle Shoppingmöglichkeiten und verschiedenste Gaumenfreuden anbietet. Und jetzt macht sogar eine Ausstellung in Berlin Station.“
:-)
im hauptbahnhof fahren tatsächlich züge ab? könnte man doch glatt übersehen.
und ich glaube mich auch zu erinnern, dass das bei weitem nicht die erste ausstellung ist in dem bahnhof – und zur zeit auch nicht die einzige, wenn man die österreich-werbekampagne da als ausstellung betrachten kann.
hast recht, vieles behindert einfach nur die fahrgäste!
(nicht unbedingt die hepburn-ausstellung, die befindet sich ja auf noch ungenutztem gebiet)
mich wundert, dass nicht auch das gaslaternenfreilichtmuseum direkt im hauptbahnhof errichtet worden ist – platz genug wär ja.
:-)
gruß, lichtblick
diese freundlichkeitskampagne finde ich übrigens so überflüssig und daneben.
Nun wissen wie es endlich ganz genau: Der HBF ist die heimliche Mehrzweckarena dieser Stadt !!!
Da kann O2-World bald einpacken …