Aktuelles, Bahnhofsumfeld, Kritik

Gerkan meldet sich zu Wort

Lange mussten wir darauf warten.
Nun ist bei unserem lieben Herrn von Gerkan offensichtlich endlich der Groschen gefallen.

Gerkan kritisiert geplante Bauten am Hauptbahnhof
30.05., 21:07 Uhr

Berlin – Der Architekt des Berliner Hauptbahnhofs, Meinhard von Gerkan, hat scharfe Kritik an den geplanten Bauten nördlich und südlich des Bahnhofs geübt. Dort entstehe «die primitivste, billigste und ordinärste Architektur», schimpfte er in einem Interview mit der «Berliner Morgenpost» (Montag). Der 75- Jährige nennt auch die Straßenverhältnisse vor dem Bahnhof mit nur einer Vorfahrtspur für Taxen unglaublich. Gerkan will einen erneuten Versuch unternehmen, das nur verkürzt gebaute Glasdach des Bahnhofs doch noch entsprechend den ursprünglichen Plänen zu verlängern. Darüber will er mit Bahnchef Rüdiger Grube reden.
© dpa

Wenn man vorher noch über die Bebauungspläne reden könnte, käme von unserer Seite kein Einwand gegen die Dachverlängerung. Optisch macht diese nämlich wirklich nur Sinn, wenn auch weiterhin ein freier Blick auf das architektonische Meisterwerk erhalten bleibt.
Eine Tatsache, die nun scheinbar auch endlich zum Architekten durchgesickert ist.

Inwiefern “Gespräche” hier nützlich sein werden, bleibt abzuwarten. Schließlich müsste nicht nur auf Herrn Grube, sondern auch auf die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und allen voran Vivico Real Estate Einfluss genommen werden.
Keine leichte Aufgabe…

Für freien Blick auf den Hauptbahnhof – und dann gerne auch mit vollständigem Dach!

Diskussion

15 Antworten zu “Gerkan meldet sich zu Wort”

  1. Das komplette Interview gibts in der Morgenpost: http://mobil.morgenpost.de/berlin/article1316717/Gerkan-wettert-gegen-geplante-Neubauten.html

    Diese unglaubliche Baumasse muss vermieden werden. Der Bahnhof darf nicht auf diese Weise eingezwängt werden. Hinzu kommt, dass dort die primitivste, billigste und ordinärste Architektur entsteht. Darüber hinaus gibt es keinen angemessenen Freiraum. Ganz abgesehen von diesen unglaublichen Vorfahrtsverhältnissen mit nur einer einzigen Fahrspur für Taxen. Und dann diese Bauflächen. Ich befürchte, dass das ein Desaster wird.

    WORD, Herr von Gerkan, WORD!

    (Ansonsten: Da ist kein “funktionaler Mangel”. Es sind drei Schritte bis unters Dach, und nur die wenigsten ICE betroffen. Der einzige Mangel hier ist, dass es heutzutage überhaupt noch verschiendene Klassen bei der Bahn gibt.)

    Geschrieben von central station | Mai 30, 2010, 22:21
  2. Dieses Verteidigen des unfertigen Daches ärgert mich zunehmend. Nicht nur das auf diesem Blog hier Stimmung gegen das Dach gemacht wird, jetzt fängt auch noch Gerkan damit an:
    “MORGENPOST ONLINE: Das verkürzte Glasdach ärgert Sie nicht mehr?

    GERKAN: Das ist und bleibt ein Torso. Aber mit dem, was jetzt Drumherum gebaut wird, wird der Torso harmloser, weil man ihn nicht mehr sieht.”

    Natürlich ist das ein funktionaler Mangel! Die Argumentation mit den drei Schritten ist doch Quatsch. Dann kann ich auch sagen, du brauchst kein Wärmehäuschen, mach die drei Schritte ins warme Chinarestaurant. Und es ist auch ein ästhetischer Mangel, von innen wie von außen, egal ob drumherum gebaut wird. Würde man das Dach verlängern könnte sich der Bahnhof auch gegen die hässlichen Neubauten viel besser behaupten.

    Und was soll dieser Angriff gegen Klassen? Wer mehr zahlt soll auch mehr bekommen. Wir leben doch nicht im Sozialismus hier.

    Geschrieben von john | Mai 31, 2010, 15:29
    • Dann ärgert es Sie eben. Uns ärgert, dass deswegen immer so ein Aufstand gemacht wird.

      Ihr Vergleich ist Quatsch, denn im Chinarestaurant kann man sich nicht einfach so aufhalten. Was ist bitte daran so schwer, beim Aussteigen bis unters Dach zu laufen (die Zeit reicht nicht mal, um so richtig nass zu werden) oder im Zug weiter vorne auszusteigen? Ich kann nicht glauben, dass Leute das nicht schaffen.
      Wie haben Sie das am Bahnhof Zoo gemacht – auch da passen die langen ICE nicht ganz drunter, niemanden hat das gestört.

      Sie kennen die Bebauungspläne nicht, wie? Die einzigen, die das (verlängerte) Dach dann noch sehen werden, sind die Hotelgäste von Sheraton & Co. Aber die zahlen ja auch dafür, nicht? ;-)

      Wenn Sie das Interview vollständig gelesen hätten, wüssten Sie, dass Gerkan keine “Stimmung” gegen das Dach macht – er will es doch trotzdem verlängern lassen.
      Und auch wir machen keine “Stimmung” – die Verlängerung muss sich nur auch lohnen. Sie wissen sicher, dass das nicht bei laufendem Betrieb gemacht werden kann, und wer das am Ende bezahlen darf.

      Verschiedene Klassen sind unzeitgemäß. Das hat nichts mit Sozialismus zu tun. Was gibt es denn da für tollen Komfort – weichere Sitze, Fußstützen? Würde es die Bahn so viel kosten, das im gesamten Zug anzubieten?
      In den RE-Zügen sind die 1.Klasse-Abteile übrigens immer leer. Verschwendung.

      Geschrieben von central station | Mai 31, 2010, 16:02
  3. Nun mal ruhig mit den jungen Pferden … :-).
    Hier sind gerade ein paar Missverständnisse am werkeln, denke ich.

    Der Blog ist nicht gegen eine Dachverlängerung – optisch ist es jedoch irrelevant, wenn der HBF so arg zugebaut wird. Freie Sicht auf den majestätischen Bahnhof wäre herrlich !! Mit langem Dach erst recht …
    Zum kurzen Dach: Es nervt einfach, wenn immer wieder Titulierungen kommen wie “verstümmelt” oder “Torso”, WEIL der HBF auch mit kurzem Dach stimmig ist und gut aussieht. gmp selbst haben an der Planung der Kurzversion mitgearbeitet – und die sind nicht blöde, sondern haben Ahnung von Proportionen.
    Also eigentlich alles easy *zwinkerchen*.

    (Auf den oben gezeigten Fotos ist das Dach “struppig”. Süß! Sieht immer aus, als hätte das Gebäude “Gänsehaut”. Das wird man später leider nicht mehr sehen können).

    Die langen ICE halten übrigens so, dass der meiste Teil der 1. Klasse unterm Dach ist. Es geht also :-).

    1.Klasse: Dort gibt es an den Sitzen unten ausklappbare Fußstützen. Die würde ich auch gerne in der 2.Klasse sehen, weil es auch viele kleinere Menschen gibt, deren Füße nicht korrekt auf den Boden gelangen. Das ist ergonomisch fatal, gerade bei älteren Menschen. Es tut nämlich ganz schnell richtig weh, wenn man nicht richtig sitzen kann. das hat meiner meinung nach nix mit Kommunismus zu tun sondern mit Gesundheit (und wer gesund ist kann besser und flexibler arbeiten, also den Kapitalismus unterstützen).
    Die komplette Umrüstung wäre kostspielig, aber neue Züge könnten gleich so konstruiert werden (grundsätzlich, nicht nur ICE, am besten wären flexible, höhenverstellbare Sitze, aber das ist eine kleine Illusion von mir :-) ).

    Geschrieben von Bricky | Mai 31, 2010, 18:51
    • gmp selbst haben an der Planung der Kurzversion mitgearbeitet – und die sind nicht blöde, sondern haben Ahnung von Proportionen.

      Möchte man meinen. Insofern verstehe ich ja Gerkans Aufschrei hinterher nicht.
      Er hätte nie zustimmen sollen! Nur wegen der WM. Und hinterher jetzt Theater veranstalten.

      Ich denke, diese Geschichte ist vor allem auch ne Ego-Geschichte. ;-)

      gerkan

      Geschrieben von central station | Mai 31, 2010, 23:49
  4. dieses bahnhofsdach ist ein luxusproblem. sollen die leute nicht so jammern.

    Geschrieben von be berlin | Mai 31, 2010, 20:24
  5. Ich finde, dass man sich im Leben ruhig mal etwas Luxus gönnen sollte :-).
    Das könnte ein freier Tag sein (einfach mal herumflezen, mit den Kindern herumtollen, in Ruhe ein Buch lesen, gut Essen gehen, was auch immer – oder ein Dach anbauen … die Einzelteile sind ja schon vorhanden. Und es geht, die bei laufendem Betrieb anzubauen. Das Gerüst, im Aufbau wie damals, kann als “Einhausung” der Bahngleise dienen und das Dach montiert werden).

    Geschrieben von Bricky | Mai 31, 2010, 21:15
  6. @Bricky
    Das ist ja genau der Unterschied zur 1. Klasse, wenn man besser sitzen will muss man auch mehr zahlen. Oder wenn man ein falsches Lächeln bekommen, oder eine Zeitung gebracht bekommen möchte, dann muss man dafür auch zahlen — so ist das Klassensystem.
    Natürlich lohnt sich das System auf kurze Dauer (verbrachte Zeit) nicht, deshalb sitzt auch kaum jemand im RE in der 1. Klasse. Deshalb gibts in der S-Bahn auch keine Klassen. Aber es gibt sogar drei Klassen auf Langstreckenflügen.
    Das System ist sehr zeitgemäß. Wer Geld hat und unbedingt eine Fusstütze möchte überlegt sich halt für die lange Zugstrecke 1. Klasse zu reisen. Und wer es von der Firma bezahlt bekommt, der hat einfach Glück.
    Aber alles haben zu wollen ohne dafür entsprechend zu zahlen, das wird nicht funktionieren.

    @central station
    Wenn Gerkan das wie im Interview formuliert, dann hat er sich mit der Situation abgefunden und wird nicht weiter in der Hinsicht aktiv werden. Er resigniert obwohl er weiss, dass er bei weitem den grössten Einfluss hat hier noch etwas zu ändern.

    Das Dach zahlen müssten wir, die Gesellschaft, das Volk, die Bahnfahrenden, der kleine Mann und der reiche Sack, wir alle … aber wir haben ja auch den ganzen Rest bezahlt.
    Und vor allem haben wir es so gekauft. Ich will das, was ich gekauft habe auch haben. Mehdorns Rabatt in Form der Dachverkürzung wollte ich nicht. Genausowenig wie ich den Börsengang wollte, dem das Dach zum Opfer gefallen ist.

    Geschrieben von john | Mai 31, 2010, 23:27
    • Er meint doch auf Seite zwei, er möchte dennoch für die Verlängerung einstehen. Es würde mich freuen, wenn er auch auf die Umfeldgestaltung Einfluss nehmen würde/ könnte. In erster Linie ist es nun mal ein optischer Mangel, und, wie Sie richtig schreiben, wir haben es so gekauft. Der größte Witz ist ja, dass die Kürzung teurer war als die Ursprungsversion. Schuld war weniger der Börsengang, sondern zeitliche Gründe: Es musste ja unbedingt zur WM fertig werden. Da kann man mal sehen, wie wichtig doch so’n “Event” ist, und was man dafür opfert. Denn der Kürzung haben alle unter diesem Vorwand zugestimmt. Selbst Gerkan.

      Meine Befürchtung ist auch, dass es am Ende wieder alles auf den Bahnhof zurückfällt. Man stelle sich vor, er bekommt das lange Dach für viel Geld und verbunden mit monatelanger Sperrung der Stadtbahn. Ich kann mir vorstellen, was dann los wäre. Dann ist es der “Luxusbahnhof”, die “Geldverschwendung” , dann kommt “Wir haben’s ja” und “während anderswo Schulen und Kitas verfallen”, die ganze Palette.
      Viele Kritiker lassen da leider ihr Fähnchen im Wind wehen – erst nach dem Dach schreien, um, wenn es dann da ist, dagegen zu wettern.

      Wollen wir hoffen, dass die Entscheidung weise abgewogen wird. Vielleicht sollte die Bahn das zahlen und den Preis dann auf die 1.Klasse-Tickets draufschlagen. ;-)

      Geschrieben von central station | Mai 31, 2010, 23:44
  7. Würde es machen, wenn ich könnte :-).
    (indirekt mache ich es ja anteilig, und ich machs gern).
    Die bereits gefertigten Einzelteile sind bereits bezahlt. Und die Lagerung kostet auch was. Und das ist nicht billig auf Dauer – und wenn die noch funzen sollen (auch vielleicht für anderweitige Projekte) müssen sie gewartet und gepflegt werden. Das kostet auch Kohle.
    Na, Dann kann man die doch auch verbauen am HBF, oder ? :-))

    Geschrieben von Bricky | Mai 31, 2010, 23:31
  8. das thema dach nervt doch langsam echt. ständig wird das wieder ausgegraben. ein wunder daß im tagesspiegel noch nichts steht, die leben doch von solchen themen, mit viel diskussionsbedarf und hohem theatralikwert! hauptbahnhof-bashing besonders.

    warum hat gerkan/ gmp selbst die kürzere variante bearbeitet? da muß er doch einverstanden gewesen sein! na da wüsste ein kollege namens “sennahoj” (tagessp.) was zu erzählen, der hat ja angeblich ne ladung ordner und unterlagen zu dem thema. ;-)))

    und jetzt kommt natürlich wieder das mimosen-argument. ach leute: soll man demnächst die ganze stadt für euch überdachen, damit ihr nicht nass werdet? aber ihr fahrt ja bestimmt eh jede noch so kurze strecke taxi. ihr seid aus zucker.

    find ick jut, daß er dazu mal was sagt, aber die ördinäre architektur im umfeld wird auch gerkan nicht verhindern können. ist ja nicht so daß es da um städtebauliche/ architektonische ästhetik geht. sondern nur um profit.

    Geschrieben von bisc | Juni 1, 2010, 10:07
  9. @ John:
    Ich sehe es nicht ein, wenn man mehr bezahlen muss um vernünftig zu Sitzen mit Fußstützen, nur weil die Beine kurz sind. Das ist in Meinen Augen echte Diskriminierung! Auch kleinere Fahrgäste sind vollwertige Reisende…
    (Mal ganz nebenbei: Es ist auch übel, dass in Bahnhöfen das Behinderten WC teurer ist als das “normal” zugängliche).

    Geschrieben von Bricky | Juni 1, 2010, 20:59
  10. Jetzt haut Gerkan richtig auf den Tisch:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,698011,00.html

    Das wurde auch mal höchste Zeit!
    Und wenn die Klage kommt, diesmal ist ihm nicht nur unsere Unterstützung sicher. :-)

    (Muss der Spiegel nun auch noch ein Forum einen virtuellen Stammtisch haben? Was ich da eben schon wieder gelesen habe – nee! Kopf meets Tischplatte….)

    Geschrieben von central station | Juni 2, 2010, 23:30

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