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Baukultur und Nutzungsvielfalt

Wie soll es am Hauptbahnhof weitergehen?
Die Bundesstiftung für Baukultur lädt zur Podiumsdiskussion, um zu retten was noch zu retten ist.

Kein Monat vergeht, in dem nicht alle Augen nach Ulan Bator blicken, um zu konstatieren, was lange schon offensichtlich ist:
Das Umfeld des Bahnhofs ist alles andere als dem Platz würdig, das erste Hotel am Bahnhof ein baulicher Griff ins Klo, und nur ein Vorgeschmack auf das, was uns da noch blüht.

Es mag wohl auch an dem seit kurzem so großen medialen Interesse am noch ziemlich leeren Lehrter Stadtquartier liegen, dass mit dem für diesen Herbst angekündigten Bau des Meermann-Monstrums noch nicht begonnen wurde, und das obwohl das Hotel längst beschlossene Sache ist – umso engagierter spielen sich jetzt plötzlich allerlei Architekten, Stadtplaner und Bauexperten in den Vordergrund, denen aufeinmal auffällt, dass das so gar nicht geht, was in den gröbsten Zügen schon seit 15 Jahren auf dem Plan steht.

Selten werden dabei konstruktive Vorschläge gemacht, über Nutzungen und Bedarf sowie Prioritäten kein Wort verloren.

Das Morgenpost-Interview mit dem Vorsitzenden der Bundesstiftung für Baukultur, Michael Braum, macht diesbezüglich Hoffnung – aber nur ein kleines bisschen.

Immerhin, der Erste dem das überhaupt aufzufallen scheint. Anderen hingegen kann es dicht genug ja gar nicht sein. Genaugenommen hieße Reaktion auf die Figur des Bahnhofs, ihn seinen Schwung möglichst frei entfalten zu lassen. Ihm Solitärstellung zu gewähren, präzise gesagt.
Auch das städtebauliche Raster spielt hierbei eine Rolle, das im Masterplan seltsamerweise vollkommen quer zum Bahnhof ausgerichtet ist, wodurch er letztendlich durch selbiges fällt, ist die Bebauung komplett. Seit Jahren rätseln wir, wie das hinkommen soll und konform gehen konnte mit dem Entwurf von Gerkans.

Das angesprochene Meininger Hotel jedenfalls entspricht mit seinem Grundriss und seiner Ausrichtung genau dem, was der Masterplan jahrelang vorgesehen hat. Die Fassade ist hier lange nicht das Schlimmste.

Aber kommen wir doch einmal zum Thema Nutzung (und Bedarf), womit ja eigentlich begonnen werden sollte, bevor eine Bebauung überhaupt in Erwägung gezogen wird…

Von der guten alten Argumentationsweise “Was woanders so ist und schon immer so war, das müssen wir auch hier wieder einrichten” kann sich scheinbar auch Herr Braum nicht so ganz lösen. So dringend seine Definition von “verrucht” nun zu erörtern wäre, so sehr freut man sich wiederum auch, dass zumindest überhaupt in dieser Diskussion ein Einziger mal von so etwas wie Vielfalt zu sprechen wagt.

Und nun kommt das Thema “Wohnen am Bahnhof” ins Spiel. Darüber wurde jüngst auch im Tagesspiegelforum debattiert – das heißt, berlinhauptbahnhof debattierte, während die Sache für diverse Gesprächspartner mit einmal “Meinung kundtun” bereits erledigt war ;-)

Wohnen am Bahnhof
Möchten Sie das? Kennen Sie jemanden, der das möchte? Was glauben Sie, in welcher Preiskategorie sich das Ganze befinden wird?
Sie könnens ja zunächst mal an der Lehrter Straße probieren, da stehen in dem Hochhaus nach der Sanierung sogar Wohnungen leer. Und es werden sehr bald noch ein paar mehr werden.

Solange es keine Nachmieter gibt, wäre der Bedarf an neuen Wohungen zu klären.

War da schon die Verkürzung und die damit einhergehende Lärmbelästigung bekannnt?

Durch das kürzere Dach haben wir jetzt zumindest die Möglichkeit zu prüfen, wie es mit der Tatsächlichen Lärmbelästigung so steht. Es wären die Anwohner direkt am Bahnhof (jaha, die gibt es!) zu befragen, es wären Messungen durchzuführen, es wären Hotelgäste (Meininger) zu befragen.

Nur mal so, als Argumentationsgrundlage.

In der Tat würden uns Belege für die Argumente des Senats und der Lärmschutzfreunde interessieren – wer welche findet, möge sie gerne im Kommentarbereich posten, gerne aber auch seine persönlichen Erfahrungen als Anwohner oder Hotelgast einbringen, nach denen die ach so “grottenhafte” Beschallungsanlage des HBF außerhalb des Glasdachs plötzlich wahre Wunder vollbringen und die Züge ausgerechnet hier lauter sein sollten als auf der restlichen Stadtbahn, entlang derer sich, man glaubt es kaum, massenhaft Wohnungen befinden.

Und nachdem wir das abgehakt hätten, könnten wir ja doch irgendwann noch auf den bereits vorhandenen Wohnraum am Bahnhof zu sprechen kommen, und warum dieser in der Wahrnehmung sämtlicher Stadtentwicklungsakteure nicht zu existieren scheint.

Zum Abschluss des Interviews darf “Wünsch Dir was” gespielt werden.

Während mancher darauf wohl überzeugt mit “Rückbau” geantwortet hätte, liest sich doch ganz vernünftig, was Herr Braum hier anbringt. Dass mit dieser Diskussion um die Gestaltung der Bebauung erneut der dritte Schritt vor dem ersten gemacht wird, kann man hier wohl getrost außen vor lassen. Denn das hat in Berlin Methode.

Es wird sich zeigen, was die Podiumsdiskussion am Donnerstag mit sich bringt. Und wenn dann die Qualität der entstehenden Architektur durch “Wettbewerbe” entsprechend gesichert und die Nutzungsstruktur möglichst vielfältig ausgelegt ist, kann ja eventuell, in einem kleinen Subkommentar, auf den tatsächlichen Bedarf sowie die Verkehrswege rund um den Bahnhof eingegangen werden.

Hinweis: Da die Berliner Morgenpost größtenteils nur noch Paid Content anbietet, ist das gesamte Interview nur via Google Search zu finden.

Diskussion

3 Antworten zu “Baukultur und Nutzungsvielfalt”

  1. Es ist zwar eigentlich nicht meine Art&Weise, aber ich muss echt mal kotzen hier …
    Da diskutieren irgendwelche Menschen in “wichtigen” Positionen herum, wie das Leben der Menschen/der Reisenden funktionieren soll… Und es artet in Lächerlichkeiten aus!
    Okay, es muss geplant werden, und das müssen Fachleute machen – aber was zuweilen und gerade auch um den HBF abläuft ist nicht gerade “fachmännisch”.
    Nicht nur die Bebauung des Umfeldes nervt, auch die Straßenplanung ist echt zum Kotzen!
    Und: Den Bahnhof einzubauen ist eine Schande :-(.

    Geschrieben von Bricky | November 30, 2010, 22:10
  2. Und schon meldet sich der nächste Experte:

    http://bit.ly/fqCU9l

    Statt “Beamtenghetto” wird wieder einmal für Shopping & Gastronomie plädiert. Hatten und haben wir ja alles noch nicht.

    Immerhin wird dem Bahnhof eine hohe architektonische Qualität zugesprochen. Da ist es doch nur all zu logisch, ihn einmauern zu wollen.

    Was da am Humboldthafen entstehen soll, bereitet Unbehagen. Wird Zeit dass sich hier eine Mediaspreeartige Initiative bildet. Unser Hafen, unsere Uferwege!

    Ach, und die Kunsthalle kommt übrigens doch noch:

    http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/kulturpolitik-als-egotrip/

    Edit:

    Ich wollt schon schreiben, hoffentlich erreicht das Thema den Tagesspiegel nicht – zu spät:
    http://tinyurl.com/36zejon

    Der Teil mit dem Lob des HBF wurde sicherheitshalber weggelassen. ;-)

    Geschrieben von central station | Dezember 10, 2010, 19:03

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