Weil der Hauptbahnhof der Star unter den Berliner Bahnhöfen ist, bekam er auch als einziger eine große Geburtstagsparty und ein gewohnt starkes Medienecho spendiert.
Doch vor fünf Jahren nahmen im Zuge der kompletten Umstrukturierung des Berliner Eisenbahnkonzepts auch noch drei weitere neue Bahnhöfe ihren Betrieb auf.
Wir haben sie am Jubiläumstag besucht.
Berlin Südkreuz – das eigentliche Tor zur Stadt
Immer noch recht ruhig geht es zu am zweitgrößten Berliner Fernbahnhof. Das Südkreuz wird sich erst nach Eröffnung des neuen Großflughafens BBI so richtig etablieren. Dann ist dies die erste Station des Airport-Shuttle. Bis dahin harren der Bahnhof und vor allem sein Umfeld in einer Art Dornröschenschlaf der weiteren Entwicklung.
Immerhin ist der östliche Vorplatz kürzlich eröffnet worden, und man ist doch ziemlich überrascht, was sich hier so getan hat. Erfreulich ist die Sauberkeit – was sicher nicht lange so bleiben wird – und der Versuch, die kahlen Betonwände durch Efeu und Weinranken zu begrünen. Das könnte sich in einigen Monaten doch sehr freundlich gestalten.
Bisher wird die neue PKW- und Taxizufahrt noch nicht wirklich genutzt, und es verirren sich kaum Fußgänger hierher. Wenn sich die Existenz des neuen Vorplatzes herumgesprochen hat und die noch freien Geschäftsflächen im Bahnhof vermietet sind, kommen vielleicht auch ein paar Sitzgelegenheiten hinzu.
Zum Geburtstag gab es hier kein Fest, nur die dm-Drogerie verteilte Kaffee und Kuchen (sh. oben links). Trotzdem ist der Bahnhof Südkreuz in der Stadt angekommen (sh. oben rechts) und vor allem für die Südberliner ein wichtiger Umsteigeknoten.
Berlin Gesundbrunnen – ICE-Haltepunkt im finsteren Wedding
Das Bahnkreuz im Norden Berlins (sollte ursprünglich Nordkreuz heißen) liegt mitten im (“Problem-”)Kiez, und ist dennoch, oder gerade deswegen, nicht sehr beliebt bei Fernreisenden. Dabei bietet der Bahnhof eine hervorragende Infrastruktur und ideale Umsteigemöglichkeiten.
Auch findet sich hier nicht die übliche Stahl-Glas-Architektur moderner Großbahnhöfe, sondern es wurde mit Backstein und angenehmer Lichtinstallation gearbeitet.
Dafür fehlt der Station etwas Essentielles: Es gibt kein Bahnhofsgebäude.
Verlässt man den Bahnsteig über die Rolltreppe, steht man mitten auf weiter Flur – bzw. auf dem türkischen Wochenmarkt, neben einem der größten Shoppingcenter Berlins. Das einzige, was dort noch an einen Bahnhof erinnert, ist der DB Service Store.
Hier erwartet den Besucher die direkte Kollision mit der Großstadt.
Und weil das wohl so manchem zu viel ist, vor allem aber weil die Bahn kundenfreundlicher werden und zugleich an dem Bahnhof verdienen will, soll hier bald nachträglich ein Empfangsgebäude entstehen. Natürlich aus Glas und mit Einkaufsmöglichkeiten.
Vielleicht ja auch mit einer Möglichkeit zum Aufwärmen. Bei den vorhandenen Wartebereichen (sh. oben rechts) wurde leider die Tür vergessen.
Berlin Potsdamer Platz – Sci-Fi und Skaterparadies
Am Postdamer Platz, besser gesagt unten drunter, befindet sich seit 2006 ein (nicht wirklich essentieller) Regionalbahnhof.
Schockiert hatte der vor allem die Besucher aus Stuttgart – als “dunkler, kalter, steriler Kellerbahnhof” dient das hier doch hervorragend als Manifestation des gefürchteten S21. Ansonsten diente die seit fast 10 Jahren fertiggestellte Passarelle vor allem als Filmkulisse und Übungsparcours für Skater, sowie stressfreier Übergang zu den Potsdamer Platz Arkaden.
Architektonisch fallen hier besonders die “Lichtrohre” sowie die futuristische Deckengestaltung inklusive Beleuchtungskonzept ins Auge: Klassischer Stil der Jahrtausendwende, der inzwischen jedoch an Popularität verloren hat.
Warum man hier nun einen Haltepunkt für Regionalzüge (und Interconnex-Fernzüge) eingerichtet hat, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Touristen und Berliner kommen seit Jahren auch gut mit S- und U-Bahn ans Ziel. In Anbetracht der Tatsache, dass der Hauptbahnhof noch keinen Anschluss an letztere besitzt und auch in Nord-Süd-Richtung bisher nur durch Regionalbahnen erschlossen wird, mag der Tiefbahnhof Potsdamer Platz als Umsteigebahnhof unweit des HBF aber durchaus einen Sinn ergeben.
(Alle Bilder lassen sich durch Klicken vergrößern)
Weiterführende Informationen zum Berliner Bahnkonzept seit 2006
























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Pingback: my-tag » Nicht nur der Hauptbahnhof wird 5 « BERLIN HAUPTBAHNHOF - Mai 30, 2011