Der TOUR TOTAL an der Heidestraße bekommt allmählich seine Aluminiumfassade verpasst. In spätestens drei Monaten heißt es in diversen Architekturforen und Online-Communities also wieder: Feuer frei.
Dass “billige”, “belanglose” (und deswegen automatisch auch) “hässliche” Fassaden (siehe Meininger- oder InterCityHotel) eigentlich das geringste Problem der Europacity, der Bebauungspläne am Hauptbahnhof, der Berliner Stadtentwicklung im Allgemeinen sind, interessiert selbsternannte Experten und Hobbbykritiker nicht wirklich. Denn ihnen geht es allein ums Aufregen, um Oberflächlichkeiten.
Leider verfolgen auch die Medien das Kalkül, sich in Architektur- und Baukulturdiskussionen ausschließlich an Fassaden aufzuhalten. Durch Pseudo-Debatten über subjektive Ästhetikvorstellungen, die schnell mal eben zur allgemeinen Norm erklärt werden, kann man wenigstens sicher gehen, dass Tieferliegendes erst gar nicht zur Sprache kommt. Und wenn sich seitens Politik, Medien und Normalbürger nur weiterhin kräftig über das angebliche “Niemandsland” am Hauptbahnhof empört wird, wird auch niemand auf die Idee kommen, dass in der Entwicklung des Quartiers irgendetwas grundlegend falsch laufen könnte. Erst dann, wenn Investoren-City in Beton gemeißelt steht, wird wie gewohnt das allgemeine Klagen über verschüttete Milch einsetzen.
Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar bei Moabit Online.








Also ich finde die neue Fassade ganz ok. Was haben denn die alle? Das ist eben der neue Architekturstil: Glas und Beton.
Geschrieben von Berlins catering profi | Oktober 26, 2011, 18:27Glas und Beton ist heutzutage das, was vor etwa 100 Jahren Backstein war. Ob die Leute sich damals auch so echauffiert haben, als irgendwann das hundertste Klinkerbauwerk fertig wurde?
Nachtrag
Man hätte unter “Feuer frei” auch das hier verlinken können, um aufzuzeigen, worum es uns geht:
http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=316463&postcount=59
Hier geht es um das erste Gebäude am Humboldthafen, das auch nicht so richtig überzeugen will. Das einzige Problem mancher Foristen scheint wieder einmal nur darin zu bestehen, dass die Architektur des Hauses der “exklusiven Lage” nicht gerecht wird, mit “Käsebutterbrot im Adlon” vergleicht man es u.a. Dass die vielgepriesenen Kolonnaden am Ufer dann voraussichtlich nur noch für Besucher der dort ansässigen Restaurants / Cafes nutzbar sein werden, überhaupt die Betonisierung des Ufers, das wird gerne hingenommen.
Auf die Idee, dass die deklarierte “exklusive Lage” selbst das Problem sein könnte, kommt man nicht.
Geschrieben von central station | Oktober 26, 2011, 19:43Nun, mal halblang, im Rahmen der neugebauten Archtektur ist dieser Turm ja immerhin ein “fettucine al parmesano” kein Käsebutterbrot. Der Turm ist zumindest eine Klasse bessere Architektur als das Billig-Motel an der Südseite. Es bleibt natürlich zu hoffen, das sich bald noch andere gute Architekten hier an der Nordseite verewigen. Die kahle Brache ist dem Ort nicht gerade angemessen, auch wenn wir das in Berlin ja durchaus zur Genüge kennen.
Geschrieben von Krabbe | Oktober 27, 2011, 18:21Coole Website übrigens. ;-) Ist hier glaube ich auch schon verlinkt.
Geschrieben von central station | Oktober 27, 2011, 21:32In dem “Europa-City” Areal soll es später sogar Backsteingebäude geben. Es bleibt also spannend!
Und: Das Käsebutterbrot ist nicht die Erfindung von uns, wurde nur zitiert :-).
Turm versus Meininger Hotel: Selbstverständlich unterscheiden sie sich. Das hat finanzielle und auch marketingtechniche Ursprünge. Im Hintergrund sind die Investoren wichtig (!), aber die Wirkung “nach außen” ist für die Kunden/Geschäftspartner relevant.
Ist vielleicht vergleichbar mit dem Auftreten/dem Erscheinungsbild vom KDW und ALDI.
Die Bebauungspläne in Europa City (mittlerweile gehört auch das Umfeld des HBF dazu ) sind festgelegt, und (bis auf kleinere Anpassungen ausgelegt) soweit fertig und es werden zum Teil noch Investoren gesucht.
Brachen: Warum wird immer wieder vergessen/übersehen, dass diese Stadt jahrzehntelang geteilt war? Viele Brachen sind urbanisiert worden (was auch nicht jedem gefällt).
Geschrieben von Alexander | Oktober 27, 2011, 20:53Ich frage mich ja immer, warum es in der Berliner Stadtplanung, und auch in der Vorstellung vieler Leute, nur schwarz oder weiß zu geben scheint: Leblose Brache oder dichte, hochwertige Bebauung. Um es mal verappled auszudrücken: (Try to) Think different!
Geschrieben von central station | Oktober 27, 2011, 21:17