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Kein Wellenbrecher: Der VE zu Stuttgart 21

Da wurde nun also, vorbildlich basisdemokratisch, mit einer Volksabstimmung über das Bahn- und Immobilienprojekt Stuttgart 21 entschieden. Erstaunlich war die geringe Wahlbeteiligung, bei einem Thema, von dem doch offensichtlich der Weltfrieden abzuhängen schien. Zur großen Überraschung und entgegen der öffentlichen Meinung(-smache) jedoch, stimmte am Ende eine klare Mehrheit für den Bau, genauer gesagt gegen das Kündigungsgesetz, das die vereinbarte Mitfinanzierung des Projekts durch das Land aufgehoben hätte. Eine definitive Enntscheidung über den Bau ist das Votum also nicht, wird aber dennoch von beiden Seiten als solche betrachtet.

Die unerwartete Wendung lässt sich eigentlich nur durch die komplizierte Fragestellung erklären – “Nein” wurde zu “Ja”, “Dafür” wurde zu “Dagegen”, und die “aufgeklärten, mündigen (je nach Gusto Mut- oder Wut-)Bürger”, sonst intelligenter als der Rest der Welt, waren offenbar maßlos überfordert. Das kann man natürlich so nicht gelten lassen.

Darum wirkt die vermeintliche Niederlage nun quasi als Ansporn zum Weiterkämpfen.

Und sein wir ehrlich: So richtig kann das doch auch keiner gewollt haben. Wäre der Bau auf demokratischem Wege gekippt worden, hätte der harte Kern der Sekte Projektgegner quasi über Nacht seinem Leben einen neuen Sinn geben müssen. Das hätte man auch mit 3 Monaten Dauerparty und Euphorie über den “Sieg” nicht kompensieren können. Denn irgendwann wäre man wohl oder übel in der Realität angekommen: Keine Montagsdemos und Schwabenstreiche mehr, kein zusammenschweißendes “Wir gegen den Rest der Welt”-Gefühl mehr, keine originell-kreativen Plakate und Sprüche mehr, keine Parkbesetzung und keine Sonderzüge in andere Städte mehr, und was wohl am aller schmerzvollsten gewesen wäre: keine Schlammschlachten mehr auf Twitter und Facebook.

Vermutlich hat der Souverän einfach nur Mitleid gehabt und wollte nicht verantworten, Hunderttausenden ihre Berufung und Existenzgrundlage zu entziehen. Vielleicht dämmerte auch dem ein oder anderen Protestler bei der Abstimmung, dass sein Leben nur dann weiter ginge, wenn er entgegen seiner Überzeugung “Nein” ankreuzt.



# Volksabstimmung: Stuttgart 21: Das erwartete Signal (Tagesspiegel)

Diskussion

9 Antworten zu “Kein Wellenbrecher: Der VE zu Stuttgart 21”

  1. Man könnte das Ergebnis nun allmählich mal akzeptieren u. aufhören zu jammern! Die Wutbürger zeigen nur, wie undemokratisch sie sind!

    Geschrieben von Reisender | November 29, 2011, 22:35
  2. @ Reisender: ZUSTIMMUNG!

    Geschrieben von Natascha | November 30, 2011, 00:12
    • Sie werden damit aber nicht aufhören. Sie können es nicht, es ist schon zwanghaft. Sie müssen die Welt unbedingt vor dieser Katastrophe bewahren und die “Dummen” bekehren. “Die Welle” “Der Widerstand” ist ihr Leben.

      P.S. Vor Diffamierungen wie “Wutbürger” sollte man besser absehen. Darauf sind sie allergisch.

      Geschrieben von central station | November 30, 2011, 00:52
  3. Hi Leutz…
    hier mal wieder der KIEZLÄÜFERCHEF aus Berlin, der Stadt, wo der große HBF steht !!!

    Seit mal ehrlich…wenn das gemeine Volk einfach nicht in der Lage ist, eine ganz, ganz einfache VE durch zuführen, dann fasse ich mir langsam an den Kopf.

    Der VE war doch eine ganz einfache Sache, das sollten auch die Schwaben wissen !?!

    Also jetzt HUNDEKUSCH und BASTA,

    GANZ EINFACH….GRINZ !!!

    Geschrieben von Holger Eckert | November 30, 2011, 12:52
    • Der VE wurde ja durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass Baden-Württemberg sich an der Finanzierung von S21 beteiligt. Mehr wurde da nicht entschieden.

      Nur haben sowohl Gegner als auch Befürworter des Bahnhofs dies vorher als ultimative Abstimmung über den Bau selbst aufgeblasen. Wäre das Ergebnis “Ja” (zum Kündigungsgesetz und damit “Nein zur Mitfinanzierung durchs Land”) gewesen, hätte man das als “Nein zum Bahnhof” gewertet. Die Gegner hätten dann keinen Grund zum Widerstand mehr gehabt. So gesehen verlief der VE doch zu ihren Gunsten.

      Geschrieben von central station | November 30, 2011, 14:29
  4. Es sind wirklich eine Menge schäbige Gestalten unter den Gegnern. Man wird von denen drangsaliert und zugetextet, selbst wenn man neutrale Haltung zu S-21 hat, andere Meinungen werden nicht toleriert. Dann ist man ja dumm. Alles selbst erlebt am Rande so einer Spackendemo. Was glauben die von sich wer sie sind???

    Geschrieben von Anonymous | Dezember 1, 2011, 13:35

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