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Professionell im Weg herumsitzen – Spezial

Von verpeilten Passanten lernen heißt Siegen lernen.
Das dachten sich heute auch rund 100 “Occupy”-Aktivisten, die sich nach der großen “Global Change”-Demonstration spontan zu einer Sitzblockade inklusive Asamblea im Hauptbahnhof entschieden. Wir waren eigentlich schon mit einem Fuß im Zug gen Süden, da hörten wir von oben Sprechchöre und Gesang, und gaben unserer Neugier wieder einmal nach.

In der Südempfangshalle, wo bis vor wenigen Tagen noch eine monströse Glitzertanne die Sicht auf die An- und Abfahrtstafel versperrte, hatte es sich ein beachtliches Grüppchen mit Schildern und Instrumenten auf dem kalten Boden bequem gemacht. Eine Etage höher waren die Geländer von einer Menge begeisterter, filmender und twitternder Schaulustiger gesäumt.


Ein fragwürdiger Beigeschmack der im Chor vorgetragenen Forderungen, bei denen die Gruppe gebetsmühlenartig die Worte des Vorredners wiederholt, ließ sich nicht leugnen. Dennoch scheint die Zukunft der kapitalismuskritischen Bewegung gesichert: Ein kleiner Junge wollte am liebsten sofort mitmachen, als er die “coole Sitzdemo” entdeckte – dass er weder die Schrift auf den Schildern entziffern, noch die gesprochenen Worte akustisch verstehen konnte (was übrigens vielen anderen auch so erging), tat dem Enthusiasmus dabei keinen Abbruch.

Es geht ja auch ums Prinzip.

Die zunächst sehr entspannt wirkenden Bundespolizisten und Sicherheitskräfte ließen das Spektakel eine Weile laufen, räumten aber dann doch zielstrebig und ohne Samthandschuhe. “Fluchtwege versperren” (so die Begründung) dürfen hier nämlich nur Weihnachtsbäume, Werbeinstallationen, Showbühnen und lebende Zinnsoldaten.

Die einzig wahrhaftigen Bahnhofsbesetzer saßen derweil wie gewohnt auf ihrem Posten und lachten sich über die Amateure scheckig.

Diskussion

2 Antworten zu “Professionell im Weg herumsitzen – Spezial”

  1. Guten Tag,
    das “Gebetsmühlenartige” nennt sich übrigens “human mic”. Hierdurch spart man Kosten, Material und Batterien. Der Text wird besser verstanden und von mehr Menschen, als bei einer übersteuerten “elektrischen Flüstertüte”. Zudem wird die Konzentration auf den Text gestärkt, man denkt dann auch intensiver darüber nach. Der / die RednerIn wird gezwungen, in verständlichen, kurzen Sätzen zu reden.
    MfG
    BukTom Bloch
    aka
    Burkhard Tomm-Bub, M.A.
    - occupy – Unterstützer -

    Geschrieben von Burkhard Tomm-Bub (@BukTomBloch) | Januar 16, 2012, 23:37

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