Berlin Ostkreuz, Berlin Südkreuz, Im Detail, Impressionen, Nebenschauplätze

Kreuzweise: Ostkreuz vs. Südkreuz



Aussagen wie diese vernimmt und liest man häufig. Doch stimmt das tatsächlich?
Sieht der neue Bahnhof Ostkreuz (bzw seine Ringbahnhalle) wirklich genauso aus wie das Südkreuz, oder liegt das wie so oft doch eher im Auge des Betrachters? Wir machen den Foto-Vergleich. (Anm.: Ostkreuz links, Südkreuz rechts)

Von außen

Bereits die Außenansichten beider Bahnhöfe unterscheiden sich stark. Während der eine durch klare Formen und markante Linien besticht, ist das Erscheinungsbild des anderen vorrangig durch den eleganten Schwung und die für Bahnhofshallen typische Wölbung des Daches geprägt. Auch die Unterschiede bei Fassadengliederung, Schnitt, und Größe der Glasscheiben müssten jedem ins Auge fallen. Die hellen Betonelemente, die am Ostkreuz von außen die stählernen Dachbinder verkleiden, die Milchglaselemente am oberen sowie äußeren Rand der Halle, sowie die großen, bläulich getönten, rahmenlosen Scheiben, kontrastiert durch dunkle Belüftungsschlitze, verleihen der Konstruktion insgesamt ein unerwartet freundliches Aussehen, anders als die Visualisierung befürchten ließ. Das Südkreuz hingegen lässt schon von außen eher Zweckmäßigkeit und funktionale Strenge sprechen, gleichzeitig verleihen die auffälligen Oberlichter (welche am Ostkreuz kaum vorhanden sind) ihm dennoch einen eigenen Charakter und Präsenz.

In der Halle

Das Ostkreuz mag drinnen ein wenig düsterer wirken als das Südkreuz, was vor allem am geringen Lichteinfall von oben und den dunklen Bodenfliesen (am Südkreuz sind diese hell), aber auch den noch unfertigen anthrazitenen Pavillons liegt. Die Bahnhofshalle am Ostkreuz ist geschwungen und liegt in einer leichten Kurve, das Dach ist gewölbt und durch schmale Oberlichtbänder fällt nur wenig Licht hinein. Wellblechverkleidung, charakteristisch geformte stählerne Binder und Deckenlampen im Retro-Stil sowie Windschürzen lassen ebenfalls ganz deutliche Unterschiede zum Südkreuz offenbar werden. Dort bestimmen das Bild vor allem die v-förmigen Stützen aus Stahlbeton, welche das Hallendach tragen, und auch sonst erkennt man hier, wie etwa bei der rasterartigen Deckenverkleidung und der gleichmäßig rechteckigen Glasfassadenstruktur, die Vorliebe zur sachlichen Funktionalität. Die Oberlichter sind breit und lassen viel Licht hinein, statt der klassischen Windschürzen hat der Bahnhof zwei vorgelagerte gläserne Eingangshallen. Die Glasfassade am Ostkreuz erinnert mit ihren feingliedrigen rahmenlosen Scheiben und den sie umspannenenden Stahlseilen schon eher an den Hauptbahnhof (Nord- und Südfrontfassaden) als an das Südkreuz.

Bahnhofsmobilar

Es gibt dennoch ein paar Dinge, die sich an beiden Bahnhöfen stark ähneln. Sitzbänke, Treppengeländer und Rolltreppen sind im gleichen Design gestaltet, auch die Optik der Aufzüge ist nahezu gleich. Ebenso haben Wegeleitsystem, Zugzielanzeiger, Automaten und Uhren ein einheitliches Aussehen – das ist jedoch heutzutage bundesweit an allen modernen Bahnhöfen Standard. Doch da diese Details von vielen Leuten anscheinend häufig nicht einmal wahrgenommen werden (auch beim Ostkreuz wurde sich schon über die angebliche Abwesenheit von Mülleimern und Sitzbänken mokiert), kann das wohl kaum gemeint sein.

Fazit: Ob schön oder hässlich, das bleibt Geschmackssache. Doch nur weil in beiden Bahnhöfen zeitgemäß viel Glas und Stahl / Beton verbaut wurde, sehen sie noch lange nicht identisch aus. Allerdings gibt es ja auch Leute, für die alle Chinesen gleich aussehen…

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Diskussionen

11 Antworten zu “Kreuzweise: Ostkreuz vs. Südkreuz”

  1. Eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht abzustreiten. Mir gefallen zwei Elemente am Südkreuz eindeutig besser, aber der Ostkreuz-Bahnhof ist schön :)

    Geschrieben von Galadriel (@Lady_Lothlorien) | April 23, 2012, 21:14
    • Natürlich sind sie architektonisch irgendwo verwandt miteinander. Manche Leute tun jedoch so, als wären sie eineiige Zwillinge, die man nicht unterscheiden kann

      - und manchmal kommt sogar noch der HBF als Dritter im Bunde dazu ;-)

      Welche Elemente am Südkreuz gefallen Dir denn?

      Geschrieben von central station | April 23, 2012, 22:34
  2. In der neuen Halle ist zwar viel mehr Platz. Aber bißchen monströs im ungemütlichen, fast erschlagenen Sinne wirkt sie auch. Man kommt sich trotz technischen Fortschritten vor wie in einer riesigen kalten Bunkermaschine. Haben wohl viele Bahnhofsneubauten so an sich, leider auch der neue Hauptbahnhof. Aber erstmal das noch in weiter Ferne liegende Endergebnis abwarten beim Ostkreuz. Die neue Verbindung zum Kaufland per neuem Bahnhofsplatz finde ich z..B. schon mal ganz praktisch.

    Geschrieben von Berlin - Brandenburg (@BerlinChannel) | April 24, 2012, 11:36
    • Am ehesten Ähnlichkeit mit einem Bunker hat für mich noch der untere Teil des Bahnhof Südkreuz – eine Ode an den Beton. Ansonsten kann ich diese Einschätzung (die komischerweise nur bei Neubauten auftritt) nicht so ganz teilen.

      Geschrieben von central station | April 24, 2012, 14:00
      • Na ja, durch den grauen, scharfkantigen Beton und Stahl wirken sie schon unheimelig, jedenfalls auf mich. Wen ich noch einigermaßen gemütlich finde, ist der relativ bunte und abwechslungsreiche Ostbahnhof. Den Hauptbahnhof finde ich auf den Etagen vielerorts zu dunkel und düster. Insgesamt finde ich, dass die kalte, dunkelgraue maschinenhafte Modernität der neuen Bahnhöfe leider auf Kosten ihrer Gastlichkeit überbetont wurde.

        Geschrieben von Berlin - Brandenburg (@BerlinChannel) | April 24, 2012, 21:17
        • Nun, das sieht wohl Jeder anders (obwohl die Mehrheit glaube ich Ihre Meinung teilt.). Ich finde den HBF nicht ungemütlich und auch nicht dunkel. Es fällt ja gerade durch das viele Glas so viel Licht hinein, und das Beleuchtungskonzept sorgt auch für Helligkeit. Da sind die meisten Bahnhofshallen älterer Prägung deutlich dunkler (weil sie schmale oder gar keine Oberlichter haben). Gerade das Futuristische, Sci-Fi-mäßige Design kombiniert mit der sakralbauartigen, kathedralenhaften Größe verleihen dem HBF in meinen Augen was Edles, Elegantes. Ursprünglich war hier sogar Holz- / Parkettboden geplant, aber man muss auch realistisch sein. Durch Abnutzung, Dreck und Vandalismus (besonders hier in Berlin) hätte der nicht lange schön ausgesehen. Auf dunklem Boden / grauen Säulen fallen die Spuren des täglichen Betriebs nicht so auf, darum wirkt der HBF wohl auch noch so sauber. ;-) Ostbahnhof ist (obwohl ich gerade nicht weiß was da “bunt” sein soll) eine gelungene Kombi aus alt und modern, gefällt mir ebenfalls.

          Interessant ist, dass Bahnhofshallen schon seit je her aus Stahl und Glas gebaut wurden. Große Stationen wie Zoo, Friedrichstraße, Alexanderplatz, Ostbahnhof und zahlreiche kleinere S-Bahnhöfe sind eigentlich von der Aufmachung nichts anderes als HBF bzw Süd-/Ostkreuz, nur haben sie eben ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel, der Stahl ist zT angerostet oder trägt dunklen Korrosionsschutz, die Scheiben sind größtenteils braun und verdreckt, wodurch die Hallen ebenfalls düster wirken (müssten). Aber die sind dann plötzlich reizvoll und haben “Charme”. Finde ich irgendwie merkwürdig. ;-)

          Die Halle am Ostkreuz birgt übrigens dennoch so einiges an Nostalgie, der Industrial-Look der Wellblechdecke und die historischen Bahnhofshallen nachempfundenen Stahlverstrebungen / mächtigen Stahlstützen sowie die Deckenleuchten zum Beispiel. Auch der HBF zitiert an vielen Stellen Baustile / -formen der Vergangenheit (beim Glasdach oder den Säulen im Keller zB, wo eigentlich die Gewölbedecke hingehört hätte).
          Muss es nur sehen (wollen).:-)

          Geschrieben von central station | April 25, 2012, 20:54
  3. Das Ostkreuz hat nicht so viel Beton wie das Südkreuz (gerade im unteren Bereich ist letztgenannter recht heftig).
    Weil ich aus der Architektur”ecke” komme sehe ich selbstverständlich die Ähnlichkeiten. Aber von der “Art und Weise” sind beide Bahnhöfe grundsätzlich unterschiedlich.
    Die Bezeichnung “maschinenhafte Modernität” finde ich sehr interessant. Das erinnert mich sehr an die “Wohnmaschinen” der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts/Jahrtausends (Le Corbusier, Gropius … die Ideen des Bauhaus im Allgemeinen): Wohnungen, die “funktionieren sollen, Annehmlichkeiten bieten und gleichzeitig auf das Wesentliche “reduziert” sein sollten”. Große Bahnhöfe waren und sind “Kathedralen des Reisens ( das kathedrale und die gleichzeitige Offenheit, die Vermischung zwischen “drinnen und draußen” ist am HBF sehr gut realisiert worden), kleinere Bahnhöfe sind seit einiger Zeit eher funktional gestaltet. Mit viel Glas und Stahl (und eventuellen Verzierungen in den Aufbauten) hat man zeitgenössisch auch den kleineren Bahnhöfen eine Würde gegeben (die Berliner Stadtbahn ist ein Paradebeispiel).
    Eine Frage in diesem Zusammenhang: Ist ein Bahnhof “hässlich” oder “kalt”, nur weil keine Backsteine verwendet wurden? Anno dazumal (1860 bis 1890) sind sie massenhaft verbaut worden (Brauereien, Bahnhöfe, Fabriken, Wohngebäude etc.) und man findet auch heute viele alte “Zeitgenossen”. Ich mag Backsteinbauten, kann mir jedoch gut vorstellen, dass zu der Zeit auch gemosert wurde. Ebenso wie heutzutage über Glasfassaden …

    Geschrieben von Harald Kleinert | April 25, 2012, 20:06
    • Die Backstein-Ära ist ein guter Punkt. Es wird bei zeitgenössischen Neubauten egal welcher Funktion oft gesagt, sie sehen alle gleich aus, wären austauschbar und gesichtslos. Nur trifft das so ziemlich auf jede prägende Stilrichtung zu, dass gewisse Ähnlichkeiten da sind. Sonst wär’s ja keine Stilrichtung.

      Auch typischen Berliner Altbauten / Mietwohnhäuser sind sich recht ähnlich, dieselbe Fassadengliederung, dieselben Fensterschnittte, die gleiche Farbgebung (Foto). Oder Plattenbauten im Osten, einer gleicht dem anderen. Warum sind die nun nicht austauschbar, sondern Kult bzw repräsentieren “den unverwechselbaren Charakter eines Kiezes”? Von Bahnhöfen a la Yorckstraße (Foto auch Ostkreuz sah teilweise so aus!), Warschauer Str. oder Alexanderplatz, oder beispielsweise den U-Bahnstationen der U5 ganz zu schweigen.

      Geschrieben von central station | April 25, 2012, 20:44
      • Hier noch mal eine schöne Illustration dessen, was ich meine. Da hat jemand auf Flickr ein Ostkreuz-Erinnerungsfotoalbum erstellt, das den Charme des alten Rostkreuz gut veranschaulicht. Zum Beispiel:

        http://www.flickr.com/photos/46196375@N08/6823322920/

        http://www.flickr.com/photos/46196375@N08/6823306446/

        http://www.flickr.com/photos/46196375@N08/6823306432/

        http://www.flickr.com/photos/46196375@N08/6819108984/

        Und was sehen wir da? Schlichte, enge Bahnsteige mit Asphalt oder Kopfsteinpflaster, einfaches Holz- oder Blechdach mit stählernen oder gusseisernen, verschnörkelten Stützen, die charakteristischen kleinen Aufsichtshäuschen mit rot-gelber Ziegelverkleidung – zur Zeit ihrer Erbauung war diese Art S-Bahnhaltestelle schon fast ein Massenprodukt, und auch heute gibts davon noch einige in Berlin. Die abgelichtete Fußgängerbrücke ist übrigens aus Glas und Metall.

        Ich glaube, es geht vor allem um persönliche Bindung und Erinnerungen. Am Ostkreuz war ja kurioserweise nicht nur irgendwie “die Zeit stehen geblieben”, was einen Großteil seiner Faszination ausmacht, sondern es war für viele Leute auch Bestandteil des alltäglichen Lebens.

        Ich glaube, dass unsere heutigen neuen Bahnhöfe und Bahnhofshallen später genauso mit Patina, Erinnerungen & Nostalgie belegt sein werden. Und wenn sie dann evtl abgerissen werden sollen, wird man sich plötzlich ebenso ihrer Einzigartigkeit und ihres Charmes bewusst werden.:-)

        Geschrieben von central station | April 25, 2012, 22:20
  4. Ich war noch nicht am neuen Ostkreuz. Aber auf den Photos sieht es dem Südkreuz nicht so ähnlich.

    Geschrieben von Filou | April 26, 2012, 21:17
    • Geh ihn Dir ruhig mal anschauen. Wer den HBF mag, dem wird auch Ostkreuz gefallen (vermutlich ist DAS ja die gravierende Ähnlichkeit ;-)).

      Ich befürchte ja, mit dem neuen Flughafen (lt. RBB “eine Mischung aus Berliner HBF und neuer Nationalgalerie” …) werden die Leute dann total überfordert sein. Denn der hat sich optisch bei so einigen modernen Berliner Bauwerken bedient. Und der Terminalbahnhof ähnelt stark dem Tiefbahnhof des HBF. Naja, Gerkans Werk. ;-)

      Geschrieben von central station | April 27, 2012, 17:30

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