Gefährliche Schneebretter wurden beseitigt

Der Schnee von gestern

Südliches Vordach des Bahnhofs: Gefährliche Schneemassen wurden beseitigt
Südliches Vordach des Bahnhofs: Gefährliche Schneemassen wurden beseitigt
“Etwa 50 Mal musste die Feuerwehr in der Hauptstadt am Montag ausrücken, um Schneemassen von Dächern zu entfernen.” , heißt es heute auf Berlin Aktuell. Doch nur an einem Ort war das der Presse wieder eine Sondermeldung wert: Weil auch auf den Vordächern des Hauptbahnhofs gestern mehr Schnee zusammengekommen war, als die Schneefänge halten können, mussten kurzzeitig beide Haupteingänge und die Taxizufahrten gesperrt werden, damit Spezialkletterer die gefährlichen Massen herunterschippen konnten. Auch Ende 2010 war das nach überraschend schnell einsetzendem Tauwetter schon einmal nötig gewesen, damals hatte die Feuerwehr unüberlegterweise mit heißen Wasser das Eis vom Dach gespült. Ein gefundenes Fressen für den Tagesspiegel und andere übereifrige Blätter – wie kann es denn auch sein, dass man bei der Konstruktion des “modernsten Bahnhofs der Welt” nicht auch die physikalischen Gesetze aufzuheben, mindestens aber die Schwerkraft zu überlisten imstande ist? Während Skandalpresse und aufgebrachte Reisende, die aufgrund der Sperrung einen kleinen Umweg laufen mussten, wohl im Zweifelsfalle lieber von Eisbrocken erschlagen worden wären – das liefert immerhin noch bessere Schlagzeilen – legte man anderswo nicht einmal Wert auf Absperrungen und Warnhinweise, sondern vertraute allein auf das Wissen der Menschen, dass bei dieser Witterung eben nicht alles Gute von oben kommt. Und so rutschten heute, angetaut von der kräftigen Märzsonne, vielerorts in den Seitenstraßen Berlins größere und kleinere Brocken von den Dachkanten verschiedener Gebäude, verfehlten dabei an Bushaltestellen wartende oder auf ungeräumten Gehwegen strauchelnde Passanten nur um Haaresbreite. Der ebenfalls wegen Eiszapfen- und Schneebrettgefahr kurzzeitig gesperrte Flughafen Tegel war auch nur eine Randnotiz in der Abendschau, denn in Berlin ist man momentan schon zufrieden, wenn ein Flughafen überhaupt funktioniert. Während am Hauptbahnhof wohl weiterhin jede Unregelmäßigkeit auf Seite eins oder zumindest im Newsticker landen wird, kann Herr Mehdorn bei seinem neuesten Skandalprojekt immerhin schon eine Sache besser machen: Statt das Dach nur zu kürzen, sollte er es lieber ganz einsparen. Dann kann im Winter auch kein Schnee drauf liegen bleiben und herunter stürzen.

Nicht unbegründet: Warnung vor Dachlawinen
Nicht unbegründet: Warnung vor Dachlawinen
Reisende können den Vorplatz wieder unbekümmert betreten
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Bahnhof Berlin Spandau (2011): Keine Warnung, keine Absperrung, keine Räumung
Vom Dach rutschender Schnee hat am Hauptbahnhof oft eine besondere Ästhetik

# Bildergalerie: Winter am Hauptbahnhof

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3 Gedanken zu “Der Schnee von gestern”

  1. Selbst im Radio wurde heute allgemein vor Dachlawinen gewarnt …
    Am HBF wurde wenigstens zeitnah vorbildlich “die Nase geputzt”. Wozu also die Aufregung in den Medien?

    1. Du weißt doch: Vorzeigebahnhof. Prestigeobjekt. Skandalbau.

      P.S.: Hätte man die “Nase” nicht “geputzt”, hätte der Bahnhof womöglich pausenlos “geniest” (Allergie gegen menschlichen Urin… und menschliche Dummheit).

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